Über uns

Was wir wollen

Wir wollen eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit vorgeburtlicher (pränataler) Transidentität – für transidente Frauen (Mann-zu-Frau) und transidente Männer (Frau-zu-Mann) sein. Menschen also, die bei ihrer Geburt ihr zugeordnetes Geschlecht nicht als bindend empfinden. Wir wollen ihnen eine Möglichkeit bieten, wo sie sich kennenlernen können. Sie können von anderen Betroffenen Erfahrungen austauschen oder sich nur zusammen unterhalten.

Unsere Selbsthilfegruppe arbeitet gesundheitsbezogen, eigenverantwortlich und selbstbestimmt. Bei Bedarf soll fachlicher Beitrag, also etwas von außen Zugeführtes (=Input) Beratung und Hilfe leisten. Z.B. durch die dgti e.V. oder transident e.V.. Beide bieten sich dafür an; oder durch andere Selbsthilfe-Vereinigungen oder über NAKOS Berlin. Oder auch durch Einladung von Referenten der Krankenkassen. Wir haben uns Verbänden angeschlossen, z.B. dem NGVT* NRW oder dem BVT, um für uns und unseren Besucherinnen und Besuchern deren Angebote (Services) zur Verfügung stellen zu können.

Mit der shg Bielefeld und OWL wollen wir auch neue Betrachtungsweisen oder -möglichkeiten von einem bestimmten Standpunkt aus, aus Sicht für Betroffene, entwickeln. Wir wollen gemeinsame Aktivitäten planen und Öffentlichkeit für ein Tabuthema schaffen. Wir wollen Betroffenen helfen, mit ihrer Situation besser klar zukommen. Und wir wollen auch gesellschaftliche Veränderungen auf den Weg bringen.


Was wir bieten

Die Betroffenen empfinden sich selbst anders als es von außen erwartet wird. Sind oft allein gelassen und isoliert. Sie identifizieren sich mit dem Gegengeschlecht. Sie sind also transgeschlechtlich oder besser gesagt transident. Oder sie sind zweigeschlechtlich (=intergeschlechtlich). Oft leiden viele unter Gesundheitsstörungen wie Depressionen oder Borderline (= eine Persönlichkeitsstörung (BPS). Oder es ist eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs, was eine psychische Erkrankung ist. Typisch für sie sind Impulsivität, instabile zwischenmenschliche Beziehungen, rasche Stimmungswechsel und ein schwankendes Selbstbild wegen gestörter Selbstwahrnehmung), Magersucht, Stottern, usw. Oder sie sind eventuell schon seit der Kindheit immer wieder in psychiatrischer Behandlung, aber die Diagnose Transidentität wurde nie gestellt. Es besteht ein enormer Leidensdruck in dieser Personengruppe. Unter Umständen kann auch das Leben alleine, in einer Partnerschaft, mit Freunden und Kollegen unnötig „kompliziert“ sein.

Die shg Bielefeld und OWL will allen transidenten Menschen helfen, mit Gleichgesinnten Erfahrungen und Informationen auszutauschen. Sie können gemeinsame Wege der Problembewältigung finden, sich auszusprechen, Infos und Tipps erhalten über:

  • Psychologische Begleittherapie
  • Medizinische Möglichkeiten
  • Juristisches Verfahren der Vornamens und Personenstandsänderung
  • Antragsverfahren und Kommunikation mit den Krankenkassen
  • Ärzte, Gutachter, Anwälte, etc.

Wir wollen ein Angebot auch über Bielefeld hinaus ins OWL-Umland darstellen, wo sich transidente Menschen einmal im Monat treffen können. Der Bedarf für eine Selbsthilfegruppe ist schon lange vorhanden. Außerdem soll allmählich, nach und nach, schrittweise eintretend, erfolgend (=sukzessive) ein Netzwerk regionaler und überregionaler Gruppen für weitere Hilfsangebote errichtet werden. Wir wollen diesem Personenkreis helfen, wo wir gefragt werden. Dabei ist das Beratungs- und Unterstützungsangebot niedrigschwellig. Es ist als erste Anlaufstelle zu sehen, um im Anschluss und ggf. in Zusammenarbeit mit anderen Beratungseinrichtungen der Stadt weitere Empfehlungen für Beratungsangebote in Bielefeld zu erhalten.


Unsere Gruppenregeln

Sei freundlich und höflich

Wir alle sind für einen freundlichen Umgang miteinander verantwortlich. Wir behandeln uns mit Respekt und Achtung. Bei Konflikten steht die Suche nach Lösungen im Vordergrund.

Keine Hassreden oder Bullying

Aggressives Mobbing (Bullying) jeglicher Art ist nicht erlaubt. Erniedrigende Kommentare wegen der betreffenden Kultur- und Lebensgemeinschaft einer Volksgruppe (=ethnischen) Zugehörigkeit, Religion, Kultur, sexueller Orientierung, Geschlecht oder Identität werden nicht toleriert.

Respektiere die Privatsphäre anderer

Beitritts-Voraussetzung zu dieser Gruppe ist gegenseitiges Vertrauen. Gespräche mit sensiblen und privaten Inhalten, die in der Gruppe geteilt werden, haben die Gruppe deshalb nicht zu verlassen.

Keine Promotions oder Spam

Beteilige dich aktiv am Gruppengeschehen. Eigenwerbung, unerwünschte, auf elektronischem Weg übertragene Nachrichten (Spam) und nicht relevante Links sind allerdings untersagt.

Wir freuen uns, wenn ihr uns mitteilt, wie ihr angesprochen werden wollt, weil vom Namen oder vom Aussehen einer Person nicht auf das Geschlecht geschlossen werden kann. Wenn ihr euren Namen nennt, dann sagt uns auch welches Pronomen zu eurem Namen gehört.

Akzeptanz, Respekt, Wertschätzung – Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.


Anregungen für die Gruppenarbeit

Um gemeinsam und leichter in die Gruppe hineinzuwachsen und die Gruppe wachsen zulassen haben wir einige Erfahrungen und Anregungen zusammengestellt.

Die Gruppe wichtig nehmen

Regelmäßige Treffen sollen ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln helfen, wovon alle profitieren können. Vollzähligkeit ist wünschenswert, jedoch keine Bedingung.

Verschwiegenheit schafft Vertrauen

Was in der Gruppe besprochen wird, bleibt auch in der Gruppe. Stillschweigen gegenüber Außenstehenden ist zu bewahren. Nur so kann Vertrauen geschaffen werden.

Verantwortung übernehmen

Die Teilnehmenden bestimmen selbst, in wie weit sie, er oder es sich öffnen möchte. Selbstverantwortliches Verhalten wollen wir ernst nehmen.

Rücksicht nehmen

Wichtig ist uns, sich gegenseitig ausreden zu lassen. Wenn jemand sehr lange spricht oder vom Thema abschweift, bitten wir höflich darum, wieder zum Thema zurückzukehren.

Fragen, verstehen, zuhören

Fragen sind hilfreich, wenn sie das Bemühen ausdrücken, jemanden zu verstehen. “Warum-Fragen“ (ver-)führen zum Spekulieren. Die Frage „Wie hast du dich dabei gefühlt?“ fördert einen besseren Kontakt zu den eigenen Gefühlen und auch zueinander. Zuhören können und ein gutes Wort zur rechten Zeit hilft dem andern und mildert sein Leid.

Gefühle nicht diskutieren

Über Wahrnehmungen und Gefühle wollen wir nicht streiten! Der Austausch darüber ist aber für alle interessant. Geäußerte Gefühle wollen wir anerkennen zur Vermeidung einer diffusen schlechten Stimmung.

In Kontakt kommen

Die Teilnehmenden kommen leichter in einen echten Kontakt, wenn sie in der ersten Person Singular von „ich“, und alle von sich persönlich sprechen, anstatt allgemein zu bleiben und das Pronomen „man“ benutzen.

Themen verabreden – verbindlich sein

Es ist für Gruppentreffen zur Vertiefung und Beteiligung aller Teilnehmenden hilfreich ein Thema vorzuschlagen. Jedoch bestimmt die Gruppe selbst, worüber sie sprechen will. Die Gruppenleitung bzw. die Gruppenmoderation greift hierbei nicht steuernd ein. Ist von der Gruppe ein Thema ausgemacht worden, wird es auch angegangen – es sei denn eindringendes Problem hat Vorrang.

Gruppenleitung, Gruppenmoderation

Eine gemeinsame Verantwortung für die Gruppe wächst dadurch, dass die Leitung/Moderation einer Sitzung jeweils von einer Person übernommen wird. Alle sollten nacheinander einmal drankommen.

Blitzlichtrunde

Zu Beginn jedes Gruppentreffens empfiehlt es sich eine so genannte „Blitzlichtrunde“ zu starten. In so einer Runde haben alle Teilnehmenden nacheinander Gelegenheit, sich kurz vorzustellen, kurz mitzuteilen, mit welchen Gedanken, Gefühlen und Wünschen sie heute da sind. Andersherum kann dies auch am Ende eines Treffens (noch einmal) geschehen, um festzustellen, ob die jeweiligen Erwartungen erfüllt worden sind.

Schwierigkeiten, Irritationen

Ist jemand beunruhigt, traurig oder wütend oder kann nicht mehr zuhören, dann wird das zuerst besprochen, bis alle mit der Wiederaufnahme des ursprünglichen Themas einverstanden sind. Es ist ratsam, Schwierigkeiten möglichst bald anzusprechen. Sowohl persönliche als auch Schwierigkeiten in der Gruppe können ansonsten zu Misstrauen, Konkurrenz, Dominanz und Missverständnissen führen.

Wir haben dafür eine weiße VERSTÄNDNISKARTE ausliegen, die eine Diskussion unterbricht, um zur Klärung einer Aussage beizutragen. Die blaue „IRRITATIONS“KARTE unterbricht ebenfalls eine Diskussion. Sie soll eine problematische Aussage oder einen kritischen Ausdruck helfen zu klären.


Unsere Gruppenräume

Im Haus der Paritätische

haben wir zwei Räume zur Verfügung: der zweite Raum ist doppelt so groß.